Rettet die Siemensbahn!

Betrifft: Verkehrskonzept zur Nachnutzung des Flughafens Tegel

   Leider hat der Berliner Senat bislang kein befriedigendes Verkehrskonzept für die Nachnutzung des bald ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel vorgelegt. Dankenswerterweise weisen viv e.V. und die Berliner Fahrgastverbände immer wieder auf diesen Mangel hin. Es kann nicht sein, dass dieses riesige Gelände mit seinem enormen Entwicklungspotenzial nicht mittel- oder langfristig mit einer Schnellbahn erschlossen wird. Natürlich kann man sich kurz- bis mittelfristig eine Tram-Insellösung zur U6 vorstellen. Aber das reicht auf die Dauer nicht. Ziemlich alt sind die Pläne, die U5 über Hauptbahnhof und Jungfernheide hinaus in Richtung „Flughafengelände“ Tegel zu verlängern. Das aber dürfte noch Jahrzehnte dauern und vor allem Milliarden (die der Senat nicht hat!) verschlingen. Es gibt allerdings noch eine andere Möglichkeit, die wesentlich schneller zu realisieren wäre und zudem auch noch günstiger sein dürfte:

 

Man könnte die seit 1980 außer Betrieb befindliche Siemensbahn (Jungfernheide - Gartenfeld) reaktivieren. Die traditionsreiche, rund 4,5 km lange Strecke könnte das Rückgrat der ÖPNV-Erschließung des Tegeler „Flughafengeländes“ bilden. Dazu müsste die unter Denkmalschutz stehende und dennoch seit der Stillegung 1980 unaufhaltsam verrottende Strecke saniert und bis zum "Tower Tegel" verlängert werden. Die "neue Siemensbahn" könnte gleichzeitig östlich des Bahnhofes Jungfernheide als westlicher S21-Ast dienen und den Weiterbau der U5 über den Hauptbahnhof hinaus Richtung Norden überflüssig machen. Nördlich des "Tower Tegel" ergibt sich eine weitere Option für eine spätere Anbindung der Strecke an die U6 (Seidelstraße bzw. Otisstraße).

 

    Dass die am U- und S-Bahnhof Jungfernheide abzweigende Siemensbahn mit den Stationen Wernerwerk, Siemensstadt und Gartenfeld, die - wie bereits erklärt - seit mehr als einem Jahrzehnt unter Denkmalschutz steht, noch immer vor sich hinrottet, ist ein Skandal. Der Senat hat es bislang nicht vermocht, die Strecke, die gleichzeitig ein eindrucksvolles Baudenkmal bildet, wieder in Betrieb zu setzen, und auch der Bund könnte ja in Sachen Siemensbahn mal wieder an sein vollmundiges Versprechen erinnert werden, das Berliner S-Bahnnetz, wie es vor 1961 bestand, wiederherzustellen.

 

  Die Nachnutzung des Tegeler Flughafengeländes bietet jetzt die wohl letzte Chance, die Strecke zu erhalten und sinnvoll in ein modernes Berliner Schnellbahnnetz zu integrieren. Der Vorteil gegenüber einer U5-Lösung aber auch gegenüber einem Straßenbahnanschluss: Die Siemensbahn liegt in Gartenfeld schon etwa zwei Kilometer vom Zielgelände entfernt, also ganz nah dran. Das könnte die Kosten erheblich reduzieren helfen. Die bestehende Trasse bis kurz vor Gartenfeld ist in Hochlage bzw. ebenerdig errichtet. Zum Weiterbau in Richtung Nordosten müsste die Strecke südlich von Gartenfeld in eine Tunnellage übergehen, um den Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal sowie den Hohenzollernkanal zu unterfahren.

Anschließend könnte die Strecke nördlich der Kolonie „Mäckeritzwiesen“ im Einschnitt bis zum vorläufigen Endbahnhof, den ich provisorisch "Tower Tegel" benannt habe, weitergeführt werden. Die kostengünstige Streckenführung im Einschnitt geht natürlich nur, wenn die Bebauung des „Flughafengeländes“ noch nicht erfolgt ist bzw. eine entsprechende Trasse freigehalten wurde. Auch eine mögliche Weiterführung über den "Tower Tegel" hinaus in Richtung Cité Guynemere und U-Bhf. Seidelstraße/Otisstraße (U6) könnte größtenteils im Einschnitt erfolgen. Hier wären lediglich die letzten ca. 500 m in Tunnellage zu errichten.

 

Vom S- und U-Bahnhof Jungfernheide ab in Richtung Osten könnte die Siemensbahn die Funktion der geplanten S21 übernehmen. Die Ringstrecke ist vorhanden, das Überwerfungsbauwerk und der Anschluss an den Hauptbahnhof sollen jetzt sowieso errichtet werden. Es ergäbe sich eine sehr sinnvolle und hoch attraktive Linienführung von der (optionalen) Umsteigestation Seidelstraße/Otisstraße (U6) im Norden, über "Tower Tegel", Siemensstadt, Wernerwerk (U7), Jungfernheide (S41, S42, U7), Westhafen (U9), Hauptbahnhof (S3, S5, S7, S75, U5), weiter Richtung Potsdamer Platz. Die Fahrzeit vom "Tower Tegel" bis zum Hauptbahnhof dürfte rund 20 Minuten betragen.

 

© Michael Hertel 2012

 

 

Endlich: Reaktivierung der Siemensbahn macht Fortschritte

 

... so stellte sich die Lage der Siemensbahn im Jahr 2012 dar (siehe oben). Inzwischen hat sich Erfreuliches getan: Der  Namensgeber und Weltkonzern Siemens hat sich entschlossen, in Berlin zu investieren und in dem traditionsreichen Stadtteil Siemensstadt seinen Campus mit rund 3000 neuen Wohnungen sowie Wissenschafts- und Industrieeinrichtungen zu bauen. Natürlich bedarf eine solche Agglomeration einer guten verkehrlichen Anbindung (insbesondere an den Flughafen). Was liegt da näher, als die bestehende und (trotz mehrfacher Bemühungen der Deutschen Bahn) nie entwidmete Strecke der alten Siemensbahn zu reaktivieren. Die auf dieser Seite gemachten Vorschläge spielten dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle (belegbar anhand von Anfragen und Zitaten), was mich stolz und glücklich macht. Vielleicht habe ich ja doch noch mal die Chance, mit der S-Bahn von Jungfernheide nach Gartenfeld zu fahren - was mir in meinem bisherigen Leben nur ein- oder zweimal vergönnt war): Am Besten natürlich in einem 475-er.

 

Erfreulich ist auch, dass mein Vorschlag, auf der Siemensbahn eine Linie einzurichten, die nach Süden über Jungfernheide hinaus weiter zum Hauptbahnhof geführt wird, aufgegriffen wurde und jetzt anscheinend "state of the art" ist. Eine Verlängerung (via noch zu bauender S21) über Potsdamer Platz und Südkreuz (mit Verbindungskurven zum Südring) böte sich an. Nördlich von Gartenfeld ist nun anscheinend geplant, die Strecke in Richtung Westen (Hakenfelde) zu verlängern. Nach wie vor offen bliebe dabei allerdings die Frage der verkehrlichen Erschließung des alten Tegeler Flughafengeländes. Dazu habe ich entsprechende Vorschläge gemacht. Eine Anbindung der verlängerten Siemensbahn an die U6 (Bhf. Seidelstraße, jetzt: Otisstraße) wäre wünschenswert und schlösse eine Verlängerung in Richtung Westen über eine Verzweigung vor dem Bhf. Gartenfeld nicht aus. Die Frage "oberirdisch oder unterirdisch" ab Gartenfeld ist leicht zu beantworten: Die alte Siemensbahn endet in Gartenfeld auf Geländeniveau. Jede Verlängerung (ob nach Osten oder Westen) müsste mit einem Tunnel beginnen. Oder will dort jemand noch einen beschrankten Bahnübergang errichten (Tegel, Gorkistraße!!)? Auch eine Stelzenlösung in Gartenfeld verträgt sich kaum mit dem ebenerdigen, denkmalgeschützten Endbahnhof. Übrigens: Was die verkehrliche Erschließung des alten Flughafengeländes betrifft, ist die S-Bahn allemal einer Straßenbahnlösung (Verlängerung ab Turmstraße oder Spandauer Insellösung) vorzuziehen, allerdings nur dann, wenn die S-Bahntrasse bereits vor der Bebauung des Geländes festgelegt und planfestgestellt wird. Dann nämlich wäre die S-Bahn viel näher dran und auch schnell zu realisieren. Aber das ist nun wirklich noch Zukunftsmusik. Erst mal wollen wir hoffen, dass den vielen Reden und Ankündigungen endlich Taten folgen. Und eines ist doch wohl klar: Die Politik, aber auch die Deutsche Bahn sollten nicht versuchen, sich mit der Feder der reaktivierten Siemensbahn zu schmücken, denn ohne Siemens würde es bzw. wird es die Siemensbahn nicht geben.

 

Michael Hertel im Juni 2019

Hier sind noch einige interessante Links in Sachen Siemensbahn

 

Die Berliner Morgenpost hat meine Vorschläge aufgegriffen

 

 

                                         Es tut sich was in Sachen Siemensbahn !!!!

 

 

Links zu Fotos und Geschichte der Siemensbahn:

 

Die Siemensbahn bei Wikipedia                

 

Bilder zur Siemensbahn

 

Informationen zur Siemensbahn              

 

Tagesspiegel-Fotostrecke

 

Tagesspiegel-Beitrag                              

 

 Noch mehr Infos - auch Historisches

 

Fotos von Jürgen Menzel   (Stichwort "Siemensbahn" eingeben)